Sägekette schärfen

Auch die beste Sägekette wird durch regen Gebrauch irgendwann einmal stupf. Dann stellen sich viele Fragen. Lohnt es sich, eine Sägekette zu schärfen? Kann ich meine Sägekette selbst schärfen? Sollte ich meine Sägeketten zum Schärfen zum Profi bringen? Gibt es Werkzeuge zum Schärfen von Sägeketten? Woran merke ich, dass ich meine Sägekette schärfen muss? usw.

Eine scharfe Kette ist immer wichtig. Denn mit stumpfen Ketten erzielen Sie keine optimalen Schnittergebnisse und können die Leistung Ihrer Motorsäge nicht vollständig übertragen. Außerdem wirkt eine scharfe Kette dem Verschleiß der Kettensäge entgegen. Und wer will nicht lange Spaß an seinem Gerät haben? Wir wollen Ihnen hier in Form einer kleinen Anleitung zeigen, wie Sie selbst Ihre Sägeketten schärfen können, wenn Sie handwerkliches Geschick haben. Ansonsten lohnt sich natürlich immer der Gang zum Profi, denn dort können Sie sich sicher sein, dass Ihre Kette hochprofessionell geschärft wird.

Wann muss ich meine Sägekette schärfen?

Es gibt mehrere Anzeichen dafür, dass Ihre Kette geschärft werden muss. Dazu gehört zum Beispiel Rauchentwicklung beim Sägen. Ein weiteres Indiz dafür, dass Ihre Kette geschärft gehört, ist feines Sägemehl anstelle grober Späne beim Schnitt. Und außerdem erkennt man eine Kette mit Schärfungsbedarf daran, dass man selbst mit viel Druck schneiden muss und die Sägekette sich nicht mehr von allein ins Holz zieht.

Schritt 1 – Vor dem Schärfen

Empfehlung: STIHL Harzlöser

Als erstes müssen Sie Ihre Sägekette anständig reinigen. Ziehen Sie am besten Arbeitshandschuhe an, um für Sicherheit zu sorgen.

Befreien Sie die Kette von Spänen, Harz und anderen Rückständen. Wenn die Kette stark beschädigt oder massiv abgenutzt ist, ist es mitunter nicht mehr sinnvoll, sie zu schärfen und sie muss gänzlich ersetzt werden. Wenn die Kette soweit in Ordnung ist, dann können Sie ruhigen Gewissens den Schärfvorgang vornehmen und die Kette weiter verwenden.

 

Schritt 2 – Die Kette spannen

Spannen Sie die Sägekette. Dabei können Sie die Kette etwas straffer spannen als normal, um ein Kippen der Schneidezähne zu verhindern. Ihre Kette darf sich beim Feilen nicht rückwärts bewegen. Auch die Motorsäge an sich sollte beim Schärfen fixiert sein. Man kann sie dafür in einen Schraubstock oder Feilbock einspannen. Man darf auf keinen Fall vergessen, nach dem Schärfen wieder die korrekte Kettenspannung einzustellen.

Schritt 3 – Richtzahn festlegen

Untersuchen Sie die Kette nach dem kürzesten Schneidezahn und markieren Sie diesen, beispielsweise mit einem Filzstift, als Richtzahn. Nach seiner Länge richtet sich dann die Länge aller anderen Schneidezähne an der Sägekette. Beginnen Sie beim Feilen mit diesem Schneidezahn und feilen Sie alle anderen Schneidezähne einheitlich auf die Länge des geschärften Richtzahns zurück. Ist der Richtzahn allerdings kürzer als 4 mm, dann sollte die Kette ausgetauscht werden.

Schärfsatz von Oregon

Spannen Sie die Führungsschiene in Abhängigkeit von der Position des Richtzahnes in einen Schraubstock oder Feilbock ein. Befindet sich Ihr Richtzahn in der rechten Zahnreihe, dann spannen Sie die Führungsschiene mit der Schienenspitze nach links ein. Befindet sich Ihr Richtzahn in der linken Zahnreihe, dann spannen Sie die Führungsschiene mit der Schienenspitze nach rechts ein.

Wichtig: Legen Sie vor dem Feilen unbedingt die Kettenbremse ein. Zum Weiterziehen der Sägekette müssen Sie dann die Kettenbremse lösen und vor dem Feilen der nächsten Schneidezähne wieder einlegen.

Schritt 4 – Die richtige Feile wählen

Zum Schärfen von Sägeketten nutzt man spezielle Rundfeilen, sogenannte Sägekettenfeilen. Es sollten nur ausdrücklich als Sägekettenfeilen deklarierte Feilen verwendet werden. Der Durchmesser der Feile ist abhängig von der Teilung Ihrer Sägekette. Messen Sie den Abstand zwischen 3 Nieten. Aus den Ergebnissen ergibt sich aus 12,7 mm eine ¼ Teilung, aus 16,5 mm eine .325 Teilung, aus 19 mm eine 3/8 Teilung und aus 20,56 mm eine Teilung von 404. Jeder Kettenteilung ist ein bestimmter Rundfeilendurchmesser zugeordnet. Die Ergebnisse stellen sich folgendermaßen dar:

1/4-Teilung:      4,0 mm Feilendurchmesser
.325-Teilung:   4,8 mm Feilendurchmesser
3/8-Teilung:     5,2 mm Feilendurchmesser
.404-Teilung:   5,5 mm Feilendurchmesser

Schritt 5 – Den richtigen Schärfwinkel wählen

Der richtige Winkel beim Schärfen ihrer Sägekette liegt zwischen 25 und 30 Grad. Auf dem Zahndach ist häufig eine Markierung angebracht, die den Schärfwinkel beim Auslieferungszustand abbildet. Wenn Sie den Originalzustand wieder erreichen wollen, sollten Sie sich an dieser Markierung orientieren. Die Frage zur Beantwortung des richtigen Schärfwinkels richtet sich danach, welches Holz man vorrangig bearbeitet.

Schärfgitter von Northwood

Bei der Bearbeitung von Hartholz oder im Winter wird häufig ein Schärfwinkel zwischen 25 und 30 Grad empfohlen. Bearbeiten Sie überwiegend Weichholz, können Sie einen Winkel von 35 Grad wählen. Wenn Sie den richtigen Schärfwinkel stets einhalten wollen, ist es ratsam, ein Schärfgitter zu benutzen. Mit einem solchen Gitter wird der Winkel vorgegeben, mit dem die Feile geführt werden soll. Ein Schärfgitter ist ein vergleichsweise günstiges, aber sehr hilfreiches Utensil beim Schärfen.

Schritt 6 – Zähne feilen

Am besten führt man die Feile, indem man mit der einen Hand den Griff festhält und mit der anderen Hand die Feile im Vorwärtsstrich am Schneidezahn vorbeiführt. Es empfiehlt sich, Feile und Unterarm in einer Linie zu führen, um eine bessere Einhaltung des Schärfwinkels zu gewährleisten. Der Richtzahn sollte der Ausgangspunkt zum Feilen sein. Legen Sie die Feile so in den Schneidezahn, dass sie auf Druck von innen nach außen am Schneidezahn entlang geführt werden kann.
Achtung: Nur im Vorwärtsstrich feilen, rückwärts funktioniert nicht!

Da Sie mit einer Rundfeile arbeiten, sollten Sie diese hin und wieder drehen, damit auch die Feile selbst gleichmäßig abgenutzt wird. Achten Sie beim Führen der Feile darauf, dass in etwa ein Viertel des Feilendurchmessers über das Zahndach hinausragt.
Wie lange muss ich die Zähne feilen? Es gibt dafür kein Pauschalrezept. Jeder Zahn wird ganz einfach so lange bearbeitet, bis er scharf ist.
Wann ist der Zahn scharf? Der Zahn ist scharf, wenn die Schneidkante des Zahnes keine Abrundung oder Verletzung mehr aufzeigt, also eine saubere Kante beim Übergang von der Schneide zum Zahndach vorhanden ist.

Zunächst ist es zu empfehlen, alle in einer Richtung liegenden Schneidezähne zu feilen. Es wird also zunächst nur jeder zweite Zahn bearbeitet. Anschließend drehen Sie einfach die Kettensäge, spannen sie erneut ein, und schärfen dann die übrigen Zähne nach.

Schritt 7 – Nach dem Schärfen

Kontrolle der Ergebnisse

Nachdem Sie die Zähne geschäft haben, sollten Sie Ihr Ergebnis auf jeden Fall kontrollieren. Wenn Sie etwa Lichtreflexe an der Schneidkante erkennen können, dann ist der Schneidezahn noch nicht scharf. In diesem Fall sollten Sie noch einmal nachfeilen, um das Ergebnis zu optimieren.

Tiefenbegrenzer anpassen

Feillehre von STIHL

Die Einstellung des Tiefenbegrenzers ist ausschlaggebend dafür, wie tief der Zahn in das Holz einschneiden kann. Ist der Abstand zwischen dem Tiefenbegrenzer und der Zahnspitze zu klein, können Sie mit Ihrer Kettensäge nicht ausreichend Material abtragen und die Schnittleistung nimmt ab. Ist der Abstand aber zu groß, schneidet die Säge wiederum zu tief ein. Der Tiefenbegrenzerabstand verringert sich logischerweise beim Schärfen des Sägezahnes. Haben Sie alle Schneidezähne ausreichend geschärft, sollten Sie in Anschluss den Tiefenbegrenzerabstand prüfen und bei Bedarf gegebenenfalls anpassen. Zur Prüfung des Tiefenbegrenzerabstandes empfiehlt es sich, eine zur Kettenteilung passende Feillehre bzw. Tiefenbegrenzerlehre zu verwenden.
Hinweis: Nicht nach jedem Schärfen muss der Tiefenbegrenzerabstand angepasst werden. Eine Überprüfung ist jedoch immer zu empfehlen.

Legen Sie die Feillehre auf die Sägekette. Ragt der Tiefenbegrenzer über die Lehre hinaus, muss er mit einer Flachfeile nachgearbeitet werden. Ist der Tiefenbegrenzer dann mit der Lehre bündig, so hat er die gewünschte Position erreicht. Diesen Vorgang wiederholen Sie dann für alle Tiefenbegrenzer, bis eine Einheitlichkeit hergestellt ist.

Wenn Sie diese Anleitung zum Schärfen von Sägeketten befolgen, werden Sie noch lange Freude an Ihrer Sägekette haben. Egal ob STIHL, Oregon, Carlton oder sonstige Hersteller – eine professionell geschärfte Kette nützt Ihnen mehr als eine lieblos heruntergewirtschaftete Sägekette.